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Amateurfunk verstehen

Technische Grundlagen für Ausbildung, Experiment und Praxis

Lehrwerk für die schweizerische Amateurfunkausbildung HB9

mit Hinweisen zur HB3-Novizenkonzession

Marcel Sauder

Ursprüngliche Fassung: Februar 1984 Fachlich und didaktisch überarbeitete Ausgabe: August 2026 Schweiz

Einleitung

Fachliche Grundlagen

Dieses Lehrwerk ist auf die schweizerische Amateurfunkausbildung ausgerichtet. Massgebend sind insbesondere die technischen und regulatorischen Grundlagen des Bundesamtes für Kommunikation BAKOM sowie die schweizerische Amateurfunkpraxis, wie sie unter anderem durch die Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure USKA und ihre Sektionen vermittelt wird. Erfahrungen und Ausbildungsunterlagen schweizerischer Amateurfunkvereine sowie praktische Erkenntnisse aus dem Amateurfunkbetrieb fliessen ebenfalls in die Darstellung ein. Internationale Fachliteratur, insbesondere Veröffentlichungen der ARRL, American Radio Relay League, wird ergänzend dort herangezogen, wo sie technische Zusammenhänge besonders anschaulich oder praxisnah vermittelt. Das Lehrwerk versteht sich damit bewusst als schweizerisches Ausbildungswerk, das internationale Erfahrungen nutzt, ohne sie unbesehen auf die schweizerischen Verhältnisse zu übertragen.

Amateurfunk verstehen

Von den ersten Funkversuchen zum Amateurfunk

Die Geschichte des Amateurfunks beginnt mit den frühen Experimenten zur drahtlosen Nachrichtenübertragung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Guglielmo Marconi gehörte zu den Pionieren, die in den 1890er-Jahren zeigten, dass sich elektrische Signale ohne Draht über grössere Entfernungen übertragen lassen.

Diese neue Technik faszinierte schon bald nicht nur Wissenschaftler und Unternehmen. Immer mehr technisch interessierte Menschen begannen, eigene Sender und Empfänger zu bauen und mit drahtloser Kommunikation zu experimentieren. Aus diesen frühen Funkexperimentatoren entwickelte sich nach und nach eine internationale Gemeinschaft von Funkamateuren.

Nach der Pionierzeit der 1920er-Jahre entwickelte sich der Amateurfunk nach dem Zweiten Weltkrieg besonders stark. Die 1950er-Jahre gelten vielfach als goldenes Zeitalter, während die 1960er- und 1970er-Jahre als klassische Blütezeit des Amateurfunks betrachtet werden können.

Damals war Amateurfunk weit mehr als eine Möglichkeit zur Kommunikation. Er war Experimentierfeld, technische Schule und für viele junge Menschen der Einstieg in Elektronik, Nachrichtentechnik oder einen späteren technischen Beruf.

Mit Computertechnik, Internet und Mobilkommunikation verlor der Amateurfunk einen Teil seiner früheren gesellschaftlichen Sichtbarkeit. Seine technischen Möglichkeiten und seine Faszination sind jedoch geblieben.

Gerade heute kann Amateurfunk wieder etwas vermitteln, das in einer Welt fertiger technischer Produkte leicht verloren geht: verstehen, ausprobieren, bauen, messen und selbst Lösungen entwickeln.

Dabei gibt es nicht die eine richtige Art, Funkamateur zu sein.

Manche möchten weltweite Funkverbindungen herstellen und grosse Distanzen überbrücken. Andere interessieren sich für Antennen, Elektronik und Messtechnik. Weitere beschäftigen sich mit digitalen Betriebsarten, Datenübertragung, Satelliten, Software Defined Radio, Mikrocontrollern oder selbst entwickelten Funknetzen.

Auch CW, die Morsetelegrafie, ist weiterhin weltweit verbreitet und zeigt eindrucksvoll, wie mit einfachsten Mitteln zuverlässige Kommunikation möglich ist.

Funktechnik endet zudem nicht beim Amateurfunk. CB-Funk, PMR, Meshtastic, Telemetrie, Drohnen, Robotik und viele andere technische Bereiche überschneiden sich mit Elektronik, Mechanik, Informatik und handwerklichen Fähigkeiten.

Eine Antenne benötigt eine Halterung. Ein Funkgerät benötigt eine Stromversorgung. Eine Wetterstation verbindet Sensorik, Programmierung und Datenfunk. Eine Drohne kombiniert Mechanik, Elektronik, Software und Funktechnik.

Genau diese Vielfalt macht technische Beschäftigung wertvoll.

Dieses Lehrwerk möchte deshalb nicht nur auf eine Prüfung vorbereiten. Es soll dazu beitragen, Neugier auf Technik zu wecken und Zusammenhänge verständlich zu machen.

Vielleicht entsteht daraus ein Hobby. Vielleicht führt es zu eigenen technischen Projekten. Vielleicht beeinflusst es sogar einmal eine Berufs- oder Studienwahl.

Entscheidend ist zunächst nur:

Neugierig werden und anfangen.

Zum Lehrwerk

Die schweizerische Amateurfunkausbildung vermittelt ein breites Grundlagenwissen. Dazu gehören Elektrotechnik, Hochfrequenztechnik, Antennen, Funkwellenausbreitung, Sender und Empfänger, Messtechnik, Sicherheit, Vorschriften und Funkbetrieb.

Hinzu kommen traditionelle Elemente des Amateurfunks wie Rufzeichen, Q-Gruppen, Abkürzungen und Betriebsverfahren.

Nicht jeder wird später alle diese Bereiche gleich intensiv nutzen.

Dieses Lehrwerk orientiert sich grundsätzlich am HB9-Niveau. Wo sinnvoll, wird auf Unterschiede oder reduzierte Anforderungen der HB3-Novizenkonzession hingewiesen.

Dabei soll möglichst wenig nur auswendig gelernt werden.

Das Grundprinzip lautet:

verstehen, rechnen, ausprobieren und anwenden.

Inhaltsverzeichnis

1. Elektrische Grundlagen

Strom, Spannung, Widerstand, Leistung, Energie, Wechselstrom und grundlegende elektrische Zusammenhänge.

Kapitel_1_Elektrische_Grundlagen

2. Frequenz, Periodendauer und Wellenlänge

Frequenz, Hertz, Periodendauer, elektromagnetische Ausbreitung und Berechnung der Wellenlänge.

Kapitel 2 öffnen

3. Elektromagnetische Wellen

Elektrische und magnetische Felder, elektromagnetische Strahlung, Nahfeld und Fernfeld.

Kapitel 3 öffnen

4. Grundlagen der Antennentechnik

Was eine Antenne ist, Strom und Spannung auf Antennen, Resonanz und elektrische Länge.

Kapitel 4 öffnen

5. Antennenformen und Abstrahlung

Dipole, Vertikalantennen, Radiale, Richtantennen, Polarisation und Strahlungsdiagramme.

Kapitel 5 öffnen

6. Impedanz, Anpassung und SWR

Antennenimpedanz, Anpassung, Stehwellen, reflektierte Leistung und praktische Abstimmung.

Kapitel 6 öffnen

7. Speiseleitungen

Koaxialkabel, Paralleldrahtleitungen, Verluste, Transformation und Mantelwellen.

Kapitel 7 öffnen

8. Funkwellenausbreitung

Bodenwelle, Raumwelle, direkte Ausbreitung, Ionosphäre sowie Ausbreitung auf HF, VHF und UHF.

Kapitel 8 öffnen

9. Sender und Empfänger

Grundaufbau von Sendern und Empfängern, Frequenzaufbereitung, Filter und Verstärker.

Kapitel 9 öffnen

10. Modulation und Betriebsarten

AM, FM, SSB, CW sowie Grundlagen digitaler Betriebsarten und Datenübertragung.

Kapitel 10 öffnen

11. Elektronische Bauteile und Schaltungen

Widerstände, Kondensatoren, Spulen, Halbleiter, Transistoren, Filter und Schwingkreise.

Kapitel 11 öffnen

12. Messtechnik

Multimeter, Oszilloskop, Frequenzzähler, Leistungsmessung, SWR-Meter und NanoVNA.

Kapitel 12 öffnen

13. Praktischer Antennenbau

Berechnung, Konstruktion, Abstimmung und Messung einfacher Amateurfunkantennen.

Kapitel 13 öffnen

14. Funkbetrieb

Rufzeichen, Q-Gruppen, Buchstabieralphabet, Rapporte und Durchführung einer Funkverbindung.

Kapitel 14 öffnen

15. DX, Relais und Satelliten

Internationale Verbindungen, Relaisfunk, Satelliten und besondere Betriebsarten.

Kapitel 15 öffnen

16. Sicherheit und EMV

Elektrische Sicherheit, Hochfrequenz, Erdung, Blitzschutz und Vermeidung von Funkstörungen.

Kapitel 16 öffnen

17. Amateurfunk in der Schweiz

HB3 und HB9, Frequenzbereiche, Bandpläne und gesetzliche Grundlagen.

Kapitel 17 öffnen

18. Vorbereitung auf die Prüfung

Wiederholung des Prüfungsstoffs, Formeln, typische Aufgaben und Vorbereitung auf die BAKOM-Prüfung.

Kapitel 18 öffnen

Und danach?

Mit der bestandenen Prüfung endet die Ausbildung nicht.

Sie öffnet vielmehr den Zugang zu einem aussergewöhnlich vielseitigen technischen Experimentierfeld:

bauen, messen, ausprobieren, kommunizieren und verstehen.

Autor und Quellen

Autor und Bearbeitung: Marcel Sauder Ursprüngliche Fassung: Februar 1984 Überarbeitete Fassung: August 2026

Die ursprünglichen Lehrunterlagen entstanden 1984 auf Grundlage damaliger Unterlagen der schweizerischen PTT, Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe, insbesondere der zuständigen Kreistelephondirektionen, später Fernmeldekreisdirektionen, sowie Fachliteratur der ARRL, American Radio Relay League, USA.

Die heutige Fassung wurde sprachlich, fachlich und didaktisch überarbeitet. Sie berücksichtigt die aktuellen schweizerischen Prüfungsgrundlagen und technischen Unterlagen des Bundesamtes für Kommunikation BAKOM sowie aktuelle Fachgrundlagen der ARRL.

Grössen und Einheiten werden nach dem SI-System angegeben.

Die Abbildungen wurden für diese Ausgabe neu erstellt und deutsch beschriftet.


© 2026 Marcel Sauder. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, Verbreitung oder Weitergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung.