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Kapitel 18: Vorbereitung auf die Prüfung

Lernziele

Nach diesem Kapitel solltest du:

  • Aufbau und Ablauf der schweizerischen Amateurfunkprüfung kennen
  • wissen, welche Hilfsmittel an der Prüfung zur Verfügung stehen
  • HB3-, HB9- und Ergänzungsprüfung unterscheiden können
  • den gesamten Prüfungsstoff systematisch wiederholen können
  • die BAKOM-Formelsammlung effizient verwenden können
  • die Hilfstabellen sicher lesen können
  • technische Rechenaufgaben strukturiert lösen können
  • typische Fehler bei Einheiten und Zehnerpotenzen vermeiden können
  • Multiple-Choice-Fragen methodisch bearbeiten können
  • erkennen können, welche Themen noch nicht ausreichend sicher sitzen
  • eine realistische Prüfungssimulation durchführen können

Stand dieses Kapitels: August 2026 Für Prüfungstermine, Hilfsmittel und organisatorische Einzelheiten sind immer die aktuellen Angaben des BAKOM massgebend.

Abkürzungen

Begriff Bedeutung
BAKOM Bundesamt für Kommunikation
HB3 Amateurfunk NOVICE
HB9 vollständiges Amateurfunk-Fähigkeitszeugnis
HAREC Harmonised Amateur Radio Examination Certificate
MC Multiple Choice
SI Internationales Einheitensystem

Der rote Faden

Die Amateurfunkprüfung soll nicht dadurch bestanden werden, dass hunderte Antworten auswendig gelernt werden.

Das Ziel ist:

Zusammenhänge verstehen

Formeln erkennen und anwenden

Vorschriften sicher zuordnen

Fragen unter Prüfungsbedingungen lösen

Die Vorbereitung lässt sich deshalb in vier Phasen einteilen:

  1. Verstehen
  2. Festigen
  3. Üben
  4. Prüfung simulieren

1. Wie läuft die Prüfung ab?

Die aktuellen BAKOM-Prüfungsvorschriften sehen eine schriftliche Prüfung mit gemischten Multiple-Choice-Fragen vor.

Die reguläre Prüfung umfasst:

  • Vorschriften betreffend den Amateurfunk
  • Grundlagen der Elektro- und Funktechnik

Die Prüfungsdauer beträgt:

95 Minuten

Für Inhaberinnen und Inhaber eines HB3-Einsteigerausweises, die das vollständige Fähigkeitszeugnis erwerben möchten, dauert die Ergänzungsprüfung:

75 Minuten

Diese Ergänzungsprüfung umfasst nur:

Grundlagen der Elektro- und Funktechnik

Für HB3 sind die technischen und rechnerischen Fragen gemäss BAKOM weniger komplex als für HB9.

Aktuelle Durchführung

Die Prüfung wird derzeit elektronisch auf einem:

Tablet

durchgeführt.

Für die Anmeldung am Prüfungsgerät wird der zuvor zugestellte:

FABER-Pin

benötigt.

Das Mobiltelefon muss im Prüfungsraum separat deponiert werden.

Was wir bewusst nicht behaupten

Die aktuellen Prüfungsvorschriften, die diesem Lehrwerk zugrunde liegen, nennen:

  • Prüfungsdauer
  • Prüfungsfächer
  • Multiple-Choice-Verfahren
  • zulässige Hilfsmittel
  • Prüfungsstoff

Sie nennen dort jedoch keine feste Anzahl Prüfungsfragen und keine allgemeine Bestehensquote in Prozent.

Dieses Lehrwerk gibt deshalb dafür bewusst keine erfundene Zahl an.

Massgebend sind die jeweils aktuellen Informationen des BAKOM beziehungsweise die konkrete Prüfungseinladung.

2. Zugelassene Hilfsmittel

An der Prüfung darf ein:

netzunabhängiger, nicht programmierbarer Taschenrechner

verwendet werden.

Nicht zulässig sind insbesondere:

  • programmierbare Rechner
  • Taschenrechner auf Smartphones
  • Mobiltelefone als Rechenhilfe

Das BAKOM stellt an der Prüfung zur Verfügung:

  • Formelsammlung
  • Hilfstabellen beziehungsweise Frequenzliste
  • Notizpapier
  • Bleistift

Sehr wichtiger Lernhinweis

Trainiere bereits während der Vorbereitung mit:

dem gleichen Typ Taschenrechner

und:

der aktuellen BAKOM-Formelsammlung

mit der du später auch arbeiten musst.

Der Prüfungstag ist nicht der richtige Moment, um erstmals herauszufinden, wo sich:

  • \(\log\)
  • \(\ln\)
  • Quadrat
  • Wurzel
  • Zehnerpotenzen
  • Klammern

auf dem Taschenrechner befinden.

3. Die BAKOM-Formelsammlung

Die seit dem 1. Januar 2025 gültige BAKOM-Formelsammlung enthält zwölf Seiten mit einem grossen Teil der für die technische Prüfung benötigten Beziehungen.

Sie enthält unter anderem Formeln zu:

  • Ohmschem Gesetz
  • Leistung und Arbeit
  • Reihen- und Parallelschaltungen
  • Kondensatoren
  • Spulen
  • Transformatoren
  • Frequenz und Periodendauer
  • Schwingkreisen
  • Transistoren
  • Operationsverstärkern
  • dB-Rechnung
  • Empfängern
  • Modulation
  • Antennen
  • Leitungen
  • SWR
  • Messtechnik
  • NIS

Die Formelsammlung ersetzt das Verständnis nicht.

Die Formel:

\[ X_C = \frac{1}{2\pi fC} \]

nützt wenig, wenn man nicht weiss:

  • was \(X_C\) bedeutet
  • wann diese Formel benötigt wird
  • welche Einheiten eingesetzt werden müssen

4. Formeln nicht auswendig lernen, sondern erkennen

Viele Formeln werden an der Prüfung bereitgestellt.

Deshalb ist es wichtiger, dass du eine Formel:

erkennst

und:

anwenden kannst

als sie Wort für Wort auswendig zu reproduzieren.

Beispiel:

Eine Aufgabe fragt nach dem Blindwiderstand einer Spule.

Dann solltest du sofort wissen:

Spule → induktiver Blindwiderstand → \(X_L\)

und die entsprechende Formel finden:

\[ X_L = 2\pi fL \]

Das ist wesentlich wichtiger als die Fähigkeit, die Formel ohne Formelsammlung aufzusagen.

5. Trotzdem müssen einige Beziehungen sitzen

Einige Zusammenhänge sollten so vertraut sein, dass man nicht für jede Kleinigkeit suchen muss.

Dazu gehören beispielsweise:

\[ U=R\cdot I \]
\[ P=U\cdot I \]
\[ f=\frac{1}{T} \]
\[ c=f\cdot\lambda \]

sowie die grundlegenden Beziehungen:

Reihenschaltung

→ Strom gleich

Parallelschaltung

→ Spannung gleich

Kondensator

\(X_C\) sinkt bei steigender Frequenz

Spule

\(X_L\) steigt bei steigender Frequenz

zu lange Antenne

→ Resonanzfrequenz zu tief

zu kurze Antenne

→ Resonanzfrequenz zu hoch

Solche Zusammenhänge sollten ohne Nachschlagen abrufbar sein.

6. Der wichtigste Rechenablauf

Bei fast jeder technischen Aufgabe hilft dasselbe Schema.

Schritt 1: Was ist gesucht?

Beispielsweise:

\[ I=? \]

Schritt 2: Was ist gegeben?

Beispielsweise:

\[ U=12\ \mathrm{V} \]
\[ R=4\ \Omega \]

Schritt 3: Passende Formel wählen

\[ U=R\cdot I \]

Schritt 4: Nach der gesuchten Grösse umstellen

\[ I=\frac{U}{R} \]

Schritt 5: Werte einsetzen

\[ I=\frac{12}{4} \]

Schritt 6: Rechnen

\[ I=3\ \mathrm{A} \]

Schritt 7: Plausibilität prüfen

12 V an 4 Ω ergeben 3 A.

Das Ergebnis ist grössenordnungsmässig sinnvoll.

Nicht einfach Zahlen in den Taschenrechner tippen. Zuerst wissen, was gerechnet werden soll.

7. Einheiten sind Teil der Aufgabe

Viele Rechenfehler entstehen nicht durch die Formel, sondern durch falsche Einheiten.

Beispielsweise:

\[ 3{,}6\ \mathrm{MHz} = 3{,}6\times10^6\ \mathrm{Hz} \]
\[ 470\ \mathrm{mA} = 0{,}470\ \mathrm{A} \]
\[ 100\ \mathrm{nF} = 100\times10^{-9}\ \mathrm{F} \]

Wer:

\[ 100\ \mathrm{nF} \]

als:

\[ 100\ \mathrm{F} \]

in eine Formel einsetzt, erhält trotz richtiger Formel ein völlig falsches Ergebnis.

8. SI-Vorsätze sicher beherrschen

Diese Grössen sollten ohne Zögern erkannt werden:

Vorsatz Zeichen Faktor
Giga G \(10^9\)
Mega M \(10^6\)
Kilo k \(10^3\)
Milli m \(10^{-3}\)
Mikro µ \(10^{-6}\)
Nano n \(10^{-9}\)
Piko p \(10^{-12}\)

Besonders häufig verwechselt werden:

M

Mega

und:

m

Milli.

Das ist ein Faktor von:

\[ 10^9 \]

Unterschied.

Gross- und Kleinschreibung ist deshalb technisch wichtig.

9. Zehnerpotenzen

Für HB9 sollte der Umgang mit wissenschaftlicher Schreibweise sicher sein.

Beispiel:

\[ 0{,}000,0047 = 4{,}7\times10^{-6} \]

oder:

\[ 4,700,000 = 4{,}7\times10^6 \]

Besonders bei:

  • Kapazitäten
  • Induktivitäten
  • Frequenzen
  • kleinen Spannungen
  • kleinen Strömen

werden Zehnerpotenzen ständig benötigt.

10. Formeln umstellen

Für HB9 sollte eine einfache Formel umgestellt werden können.

Aus:

\[ U=R\cdot I \]

folgt:

\[ R=\frac{U}{I} \]

und:

\[ I=\frac{U}{R} \]

Aus:

\[ P=U\cdot I \]

folgt:

\[ U=\frac{P}{I} \]

und:

\[ I=\frac{P}{U} \]

Kompliziertere Formeln müssen nicht jedes Mal vollständig symbolisch umgestellt werden.

Oft kann man mit der Formelsammlung bereits eine passende Variante finden.

11. Quadrat und Wurzel

Diese Operationen kommen beispielsweise vor bei:

  • Leistung
  • Transformatoren
  • Schwingkreisen
  • Feldstärke

Beispiel:

\[ P=\frac{U^2}{R} \]

Gegeben:

\[ P=25\ \mathrm{W} \]
\[ R=4\ \Omega \]

Gesucht:

\[ U \]

Dann:

\[ U = \sqrt{P\cdot R} \]
\[ U = \sqrt{25\cdot4} \]
\[ U = 10\ \mathrm{V} \]

12. Logarithmen und Dezibel

Dezibelaufgaben wirken zunächst kompliziert, folgen aber wenigen festen Regeln.

Für Leistungsverhältnisse gilt:

\[ g = 10\cdot\lg\left(\frac{P_2}{P_1}\right) \]

Für Spannungsverhältnisse bei entsprechenden Bedingungen:

\[ g = 20\cdot\lg\left(\frac{U_2}{U_1}\right) \]

Einige Grössenordnungen sollte man kennen:

Änderung Leistungsverhältnis
+3 dB ungefähr doppelte Leistung
-3 dB ungefähr halbe Leistung
+10 dB zehnfache Leistung
-10 dB ein Zehntel der Leistung
+20 dB hundertfache Leistung

Damit können viele Antworten bereits auf Plausibilität geprüft werden.

13. Die Hilfstabellen

Die BAKOM-Hilfstabellen werden an der Prüfung zur Verfügung gestellt.

Darin befinden sich unter anderem die aktuellen Amateurfunk-Frequenzbereiche mit Angaben zu:

  • HB3 beziehungsweise HB9
  • Frequenzgrenzen
  • primärem oder sekundärem Status
  • terrestrischem Betrieb
  • Satellitenbetrieb
  • maximal zulässiger Leistung
  • ERP beziehungsweise EIRP bei besonderen Bereichen

Das Ziel ist nicht, jede Bandgrenze auswendig zu lernen

Wichtiger ist, die Tabelle schnell lesen zu können.

Eine typische Aufgabe könnte sinngemäss fragen:

Darf eine HB3-Station auf dieser Frequenz senden?

Dann lautet der Arbeitsweg:

  1. Frequenz bestimmen.
  2. HB3-Teil der Tabelle suchen.
  3. Frequenzbereich finden.
  4. Nutzung prüfen.
  5. Leistungsgrenze beachten.

Nicht raten

Bei einer Frage nach einer genauen gesetzlichen Frequenz oder Leistung:

Hilfstabelle verwenden, wenn die Information dort vorhanden ist.

Nicht aus einer Erinnerung an einen alten Bandplan antworten.

14. Vorschriften müssen teilweise tatsächlich gelernt werden

Nicht alles steht in der Frequenzliste.

Sicher beherrscht werden sollten insbesondere die in Kapitel 14 und 17 behandelten Grundlagen:

  • Rufzeichen
  • Q-Codes
  • gebräuchliche Abkürzungen
  • internationale Buchstabiertabelle
  • zulässige Kommunikationsinhalte
  • HB3 gegenüber HB9
  • Primär- und Sekundärzuweisung
  • Rufzeichenzusätze
  • Grundprinzip von CEPT und HAREC
  • Selbstbau- und Änderungsrechte
  • grundlegende Sicherheits- und Störschutzbestimmungen

Hier hilft keine Rechenformel.

Diese Inhalte müssen verstanden und teilweise auswendig gelernt werden.

15. Internationale Buchstabiertabelle

Diese sollte vollständig und sicher sitzen.

Nicht nur:

A bis F

sondern:

A bis Z

Typische Stolperstellen sind:

  • Alfa
  • Juliett
  • Whiskey
  • X-ray
  • Quebec

Wer lange überlegen muss, verliert unnötig Zeit.

16. Q-Codes

Besonders sicher sollten die im Lehrwerk behandelten Kernbegriffe sitzen:

  • QRM
  • QRN
  • QRO
  • QRP
  • QRT
  • QRV
  • QRX
  • QRZ
  • QSB
  • QSL
  • QSO
  • QSY
  • QTH

Besonders häufig verwechselt werden:

QRM

→ technische beziehungsweise fremde Funkstörung

QRN

→ atmosphärische Störung

QRZ

→ Wer ruft mich?

CQ

→ allgemeiner Anruf

17. Prüfungsschwerpunkte Technik

Die BAKOM-Prüfungsvorschriften umfassen einen sehr breiten technischen Bereich.

Dieses Lehrwerk hat ihn auf die Kapitel 1 bis 16 verteilt.

Kapitel 1: Elektrische Grundlagen

Sicher beherrschen:

  • Spannung
  • Strom
  • Widerstand
  • Leistung
  • Ohmsches Gesetz
  • Reihen- und Parallelschaltung
  • Kirchhoff
  • Einheiten und Grössen

Kapitel 2: Frequenz und Wellenlänge

Sicher beherrschen:

\[ T=\frac{1}{f} \]

und:

\[ c=f\lambda \]

sowie:

  • Hz
  • kHz
  • MHz
  • GHz

Kapitel 3: Elektromagnetische Wellen

Verstehen:

  • elektrisches Feld
  • magnetisches Feld
  • elektromagnetische Welle
  • Polarisation

Kapitel 4 und 5: Antennen

Verstehen:

  • Halbwellendipol
  • Viertelwellenstrahler
  • Groundplane
  • Richtantenne
  • Gewinn
  • Öffnungswinkel
  • Vor-Rück-Verhältnis
  • Polarisation
  • Strom- und Spannungsverteilung

Kapitel 6: Impedanz und SWR

Besonders wichtig:

  • Resonanz
  • Anpassung
  • Impedanz
  • SWR
  • Reflexion
  • Balun
  • Unun
  • Viertelwellentransformator

Kapitel 7: Speiseleitungen

Beherrschen:

  • Wellenwiderstand
  • Koaxialkabel
  • Zweidrahtleitung
  • Dämpfung
  • Verkürzungsfaktor
  • elektrische Länge
  • Mantelwellen

Kapitel 8: Funkwellenausbreitung

Verstehen:

  • Bodenwelle
  • Raumwelle
  • D-, E- und F-Schichten
  • MUF
  • LUF
  • Sporadic E
  • Fading
  • Inversion
  • Sonnenfleckenzyklus

Kapitel 9: Sender und Empfänger

Beherrschen:

  • Blockschaltbilder
  • Mischer
  • Oszillator
  • Zwischenfrequenz
  • Spiegelfrequenz
  • Empfindlichkeit
  • Selektivität
  • SDR-Grundprinzip

Kapitel 10: Modulation

Sicher unterscheiden:

  • AM
  • SSB
  • FM
  • PM
  • CW
  • digitale Verfahren
  • Bandbreite
  • Frequenzhub
  • Modulationsgrad
  • Aussendungsbezeichnungen

Kapitel 11: Bauteile und Schaltungen

Beherrschen:

  • Widerstand
  • Kondensator
  • Spule
  • Diode
  • Transistor
  • Transformator
  • Filter
  • Schwingkreis
  • Verstärker
  • Oszillator
  • PLL
  • Operationsverstärker
  • einfache Digitallogik

Kapitel 12: Messtechnik

Sicher wissen:

  • Voltmeter parallel
  • Amperemeter in Serie
  • Innenwiderstand
  • Effektivwert
  • Spitzenwert
  • Oszilloskop
  • Frequenzzähler
  • HF-Leistung
  • PEP
  • Spektrumanalysator
  • Kunstantenne

Kapitel 13

Dieses Kapitel verbindet die Antennentheorie praktisch.

Wichtig sind vor allem:

  • Antennenlänge
  • Abstimmung
  • Resonanz
  • Anpassung
  • systematische Fehlersuche

Kapitel 14

Wichtig für die Vorschriften und Betriebspraxis:

  • Q-Codes
  • Abkürzungen
  • Buchstabiertabelle
  • CQ
  • RST
  • Rufzeichen

Kapitel 15

Verbindet:

  • Ausbreitung
  • Relais
  • Satelliten
  • Uplink
  • Downlink
  • Dopplereffekt

Kapitel 16

Sicherheitsrelevant und prüfungsrelevant:

  • EMV
  • Störungsursachen
  • Filter
  • Personenschutz
  • NIS
  • ERP
  • EIRP
  • Blitzschutz

Kapitel 17

Der zentrale Vorschriftenteil:

  • HB3
  • HB9
  • Frequenzrechte
  • Rufzeichen
  • Gerätebau
  • zulässige Kommunikation
  • CEPT
  • schweizerische Vorschriften

18. HB3 und HB9 richtig lernen

Das BAKOM formuliert ausdrücklich:

Die technischen und rechnerischen Fragen für HB3 sind weniger komplex als für HB9.

Das bedeutet nicht, dass für HB3 einfach die Hälfte aller technischen Themen gestrichen wird.

Die Prüfungsvorschriften geben keine vollständige separate Themenliste nach dem Muster:

dies nur HB3

und:

dies nur HB9

vor.

Für dieses Lehrwerk bedeutet das:

HB3

Schwerpunkt auf:

  • Grundverständnis
  • Erkennen von Bauteilen und Funktionen
  • einfachere Berechnungen
  • sichere Anwendung grundlegender Beziehungen

HB9

zusätzlich:

  • vertiefte Berechnungen
  • komplexere Zusammenhänge
  • sichere Verwendung der gesamten Formelsammlung
  • stärkeres Verständnis von Schaltungen und HF-Systemen

Die in diesem Buch verwendete Kennzeichnung HB9-Vertiefung ist deshalb eine didaktische Hilfe und keine offizielle BAKOM-Einzelabgrenzung.

19. Wie lernt man effizient?

Nicht alle Kapitel immer wieder von vorne lesen.

Besser ist ein Kreislauf:

lernen → Fragen lösen → Fehler erkennen → gezielt nachlernen → erneut prüfen

Schlechte Methode

Ein Kapitel fünfmal lesen.

Bessere Methode

Kapitel einmal verstehen.

Dann Fragen lösen.

Wenn eine Frage falsch ist:

Warum war sie falsch?

Genau diese Stelle nacharbeiten.

Damit wird die Lernzeit auf tatsächliche Wissenslücken konzentriert.

20. Fehlerbuch führen

Für die letzten Wochen vor der Prüfung ist ein kleines Fehlerbuch sehr effektiv.

Beispiel:

Thema mein Fehler richtige Regel
Kondensator \(X_C\) steigt mit \(f\) \(X_C\) sinkt mit steigender Frequenz
Q-Code QRM mit QRN verwechselt QRM technisch, QRN atmosphärisch
Antenne zu tiefe Resonanz verlängert zu tiefe Resonanz bedeutet zu lang, also kürzen
dB 3 dB = 3-fach +3 dB ≈ doppelte Leistung

Nicht die gesamte Theorie nochmals abschreiben.

Nur:

die eigenen Fehler.

21. Fehlerarten unterscheiden

Ein falsches Prüfungsergebnis kann verschiedene Ursachen haben.

Wissensfehler

Begriff nicht gekannt.

Verständnisfehler

Begriff gekannt, Zusammenhang aber falsch verstanden.

Rechenfehler

Richtige Methode, falsch gerechnet.

Einheitenfehler

Beispielsweise MHz nicht in Hz umgerechnet.

Lesefehler

Nach:

falsch

gefragt, aber die richtige Aussage ausgewählt.

Taschenrechnerfehler

Klammern oder Zehnerpotenzen falsch eingegeben.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Ein Rechenfehler wird anders behoben als eine Wissenslücke.

22. Multiple-Choice-Fragen richtig lesen

Bevor du auf die Antworten schaust:

Was genau wird gefragt?

Achte besonders auf Wörter wie:

  • richtig
  • falsch
  • nicht
  • grösser
  • kleiner
  • maximal
  • minimal
  • primär
  • sekundär

Ein einziges:

nicht

kann die gesamte Aufgabe umkehren.

23. Zuerst selbst überlegen

Bei einer Wissensfrage ist es oft sinnvoll, die Antwort zunächst selbst zu formulieren.

Erst danach die Antwortmöglichkeiten ansehen.

Sonst kann eine plausibel klingende falsche Antwort die eigene Erinnerung beeinflussen.

Beispiel:

Was geschieht mit \(X_L\), wenn die Frequenz steigt?

Zuerst denken:

\(X_L\) steigt.

Dann Antworten ansehen.

24. Falsche Antworten ausschliessen

Bei Multiple Choice muss nicht immer sofort die richtige Antwort vollständig berechnet werden.

Oft lassen sich offensichtlich falsche Möglichkeiten ausschliessen.

Beispiel:

Eine 12-V-Quelle speist einen Widerstand von 6 Ω.

Mögliche Antworten:

  • 0,5 A
  • 2 A
  • 72 A
  • 0,002 A

Aus:

\[ I=\frac{U}{R} \]

folgt:

\[ I=2\ \mathrm{A} \]

Aber bereits eine Grössenordnungsprüfung schliesst mehrere Antworten aus.

25. Plausibilitätsprüfung

Nach jeder Rechnung kurz fragen:

Kann das ungefähr stimmen?

Beispiel:

Ein 100-Ω-Widerstand liegt an 10 V.

Der Taschenrechner zeigt:

\[ I=10\ \mathrm{A} \]

Das kann nicht stimmen.

Denn:

\[ 10\ \mathrm{V}/100\ \Omega \]

muss deutlich kleiner als 1 A sein.

Der Fehler liegt wahrscheinlich bei:

  • Eingabe
  • Einheit
  • Formel

Die Plausibilitätsprüfung rettet erstaunlich viele Punkte.

26. Nicht an einer Aufgabe festbeissen

Wenn eine einzelne Aufgabe viel Zeit benötigt:

  • Problem erkennen
  • soweit möglich bearbeiten
  • nicht zehn Minuten an einer einzigen Rechnung verlieren
  • später nochmals überprüfen, soweit die Prüfungsoberfläche dies ermöglicht

Eine schwierige Frage ist nicht wichtiger als mehrere einfache Fragen.

27. Den Taschenrechner kontrollieren

Bei komplizierteren Formeln sind Klammern entscheidend.

Beispiel:

\[ f_0 = \frac{1} = { = 2\pi\sqrt{LC} = } \]

Der Nenner muss vollständig zusammengehören.

Eine falsche Klammersetzung liefert unter Umständen einen völlig anderen Wert.

Deshalb während der Vorbereitung exakt mit dem verwendeten Rechner üben.

28. Ergebnisse mit Einheit notieren

Nicht nur:

14.2

sondern:

14,2 MHz

oder:

14,2 V

Die Einheit hilft beim Denken und bei der Plausibilitätskontrolle.

29. Formelsammlung navigieren lernen

Vor der Prüfung solltest du ungefähr wissen:

wo welche Formel steht.

Nicht die Seitenzahl auswendig lernen.

Aber die Struktur kennen.

Beispielsweise:

  • Grundelektrik vorne
  • Blindwiderstände und Spulen danach
  • Frequenz und Schwingkreise
  • dB
  • Empfänger und Modulation
  • HF-Leitungen und SWR
  • Messtechnik und NIS

Wer während jeder Frage die gesamte Formelsammlung durchsuchen muss, verliert Zeit.

30. Eine Formel immer mit ihren Grössen lesen

Die BAKOM-Formelsammlung enthält neben der Formel auch die Bedeutung der Variablen.

Nutze diese Spalte.

Wenn beispielsweise steht:

\[ P_N=kT_KB \]

dann kontrolliere:

  • \(P_N\) = Rauschleistung
  • \(T_K\) = Temperatur
  • \(B\) = Bandbreite

So wird verhindert, dass eine Formel nur aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit verwendet wird.

31. Sieben Tage vor der Prüfung

Eine mögliche letzte Wiederholungsphase:

Tag 7

Elektrische Grundlagen und Mathematik

  • Ohmsches Gesetz
  • Leistung
  • Reihen- und Parallelschaltung
  • Einheiten
  • Zehnerpotenzen

Tag 6

Bauteile und Schaltungen

  • \(R\)
  • \(C\)
  • \(L\)
  • Diode
  • Transistor
  • Schwingkreis
  • Filter
  • Transformator

Tag 5

Sender, Empfänger und Modulation

  • Blockschaltbilder
  • Mischer
  • ZF
  • AM
  • SSB
  • FM
  • Bandbreite

Tag 4

Antennen und Speiseleitungen

  • Dipol
  • Groundplane
  • Richtantenne
  • Impedanz
  • SWR
  • Kabel
  • Anpassung

Tag 3

Ausbreitung, Messtechnik und EMV

  • Ionosphäre
  • MUF
  • LUF
  • VHF/UHF
  • Messgeräte
  • Sicherheit
  • NIS

Tag 2

Vorschriften

  • HB3/HB9
  • Rufzeichen
  • Q-Codes
  • Buchstabiertabelle
  • Hilfstabelle
  • CEPT

Tag 1

Keine vollständige Theorie mehr neu lernen.

Nur:

  • eigenes Fehlerbuch
  • Formelsammlung
  • Hilfstabelle
  • wenige leichte Wiederholungsaufgaben
  • Taschenrechner kontrollieren

32. Prüfungssimulation

Vor der echten Prüfung sollte mindestens einmal eine vollständige Simulation durchgeführt werden.

Für die reguläre Prüfung:

95 Minuten

ohne:

  • Internet
  • Smartphone
  • eigene Merkblätter

aber mit:

  • nicht programmierbarem Taschenrechner
  • BAKOM-Formelsammlung
  • BAKOM-Hilfstabelle
  • Notizpapier

Damit trainiert man nicht nur Wissen.

Man trainiert:

  • Zeitgefühl
  • Konzentration
  • Formelsuche
  • Taschenrechnerbedienung
  • Entscheidungsverhalten

33. Nach der Simulation

Nicht nur die Gesamtzahl der Fehler zählen.

Jeden Fehler einer Kategorie zuordnen:

  • Vorschriften
  • Mathematik
  • Formel nicht erkannt
  • Einheit
  • Schaltung
  • Antenne
  • Ausbreitung
  • Messung
  • Flüchtigkeitsfehler

Dann genau diese Bereiche nacharbeiten.

Eine Simulation ist nur dann wirklich nützlich, wenn aus den Fehlern gelernt wird.

34. Wann bist du prüfungsbereit?

Du solltest ohne Hilfe erklären können:

  • was Spannung, Strom und Widerstand sind
  • wie Ohmsches Gesetz funktioniert
  • Unterschied zwischen Reihe und Parallel
  • Verhalten von Kondensator und Spule
  • Resonanz eines Schwingkreises
  • Aufbau eines einfachen Senders und Empfängers
  • AM, SSB und FM
  • Dipol, Groundplane und Richtantenne
  • Resonanz, Anpassung und SWR
  • Koaxialkabel und Verkürzungsfaktor
  • Grundprinzip der Ionosphäre
  • MUF und LUF
  • korrekter Einsatz wichtiger Messgeräte
  • elektrische Sicherheit
  • EMV-Grundlagen
  • Unterschied HB3 und HB9

Und du solltest mit Hilfsmitteln zuverlässig berechnen können:

  • Spannung
  • Strom
  • Widerstand
  • Leistung
  • Frequenz und Periodendauer
  • Wellenlänge
  • Blindwiderstand
  • Schwingkreis
  • Transformatorverhältnisse
  • dB-Verhältnisse
  • SWR-Grundaufgaben
  • Leitungsdämpfung
  • Modulationsbandbreite
  • typische HB9-Vertiefungsaufgaben

35. Was du nicht können musst

Du musst kein:

  • professioneller Elektronikentwickler
  • Mathematiker
  • Antenneningenieur
  • Hochfrequenzphysiker

sein.

Das Ziel der Amateurfunkprüfung ist ein solides technisches Verständnis, das ermöglicht:

  • eine Funkanlage sicher zu betreiben
  • grundlegende technische Zusammenhänge zu verstehen
  • Störungen zu vermeiden
  • mit dem Frequenzspektrum verantwortungsvoll umzugehen
  • eigene technische Experimente durchzuführen

Die Prüfung ist der Beginn des praktischen Lernens und nicht dessen Abschluss.

36. Letzte Kontrolle am Prüfungstag

Vor dem Weg zur Prüfung:

  • Einladung beziehungsweise erforderliche Unterlagen kontrollieren
  • FABER-Pin mitnehmen
  • zulässigen Taschenrechner mitnehmen
  • Funktion des Taschenrechners prüfen
  • ausreichend früh erscheinen

Das Smartphone ist keine zulässige Rechenhilfe und muss nach den aktuellen BAKOM-Regeln im Prüfungsraum separat deponiert werden.

Formelsammlung, Hilfstabellen, Notizpapier und Bleistift werden vom BAKOM bereitgestellt.

37. Die letzten zehn Minuten vor Beginn

Nicht mehr versuchen, ein ganzes Kapitel neu zu lernen.

Sinnvoller ist:

  • ruhig die Aufgabenstrategie im Kopf durchgehen
  • Einheiten beachten
  • Fragen genau lesen
  • Formelsammlung benutzen
  • Plausibilität prüfen

Eine Prüfung wird nicht dadurch leichter, dass unmittelbar davor möglichst viele einzelne Fakten hektisch aufgenommen werden.

Prüfungsstrategie in zehn Schritten

  1. Frage vollständig lesen.
  2. Auf Wörter wie nicht, falsch, maximal und minimal achten.
  3. Gesuchte Grösse bestimmen.
  4. Gegebene Werte und Einheiten erkennen.
  5. Passende Formel beziehungsweise Regel bestimmen.
  6. Einheiten gegebenenfalls umrechnen.
  7. Rechnung sauber durchführen.
  8. Ergebnis auf Plausibilität prüfen.
  9. Erst dann Antwort auswählen.
  10. Bei Unsicherheit nicht unnötig lange an einer einzigen Aufgabe hängenbleiben.

Die wichtigsten Merksätze des gesamten Lehrwerks

Spannung treibt Strom durch einen Widerstand.

Leistung ist Energie pro Zeit.

Ein Kondensator speichert Energie im elektrischen Feld.

Eine Spule speichert Energie im magnetischen Feld.

Eine Funkwelle ist eine elektromagnetische Welle.

Frequenz und Wellenlänge sind umgekehrt proportional.

Eine Antenne koppelt Hochfrequenzenergie zwischen Leitung und freiem Raum.

Resonanz, Anpassung und Wirkungsgrad sind nicht dasselbe.

Ein gutes SWR beweist keine gute Antenne.

Eine Speiseleitung besitzt einen Wellenwiderstand, der nicht mit ihrem Gleichstromwiderstand verwechselt werden darf.

Kurzwellen-DX wird wesentlich durch die Ionosphäre bestimmt.

Bei AM ändert sich die Amplitude, bei FM die Frequenz.

Ein Sender erzeugt das Funksignal, ein Empfänger gewinnt die Information daraus zurück.

Messgeräte beeinflussen die untersuchte Schaltung.

EMV betrifft sowohl Störaussendung als auch Störfestigkeit.

Elektrische Sicherheit hat Vorrang vor der Funktion einer Schaltung.

HB3 und HB9 besitzen unterschiedliche Rechte und technische Prüfungstiefen.

Bei gesetzlichen Fragen zählt die aktuelle BAKOM-Unterlage.

Abschliessende Selbstkontrolle

Beantworte diese Fragen ohne Lehrbuch.

  1. Welche zwei Prüfungsfächer umfasst die reguläre Amateurfunkprüfung?

  2. Wie lange dauert die reguläre Prüfung?

  3. Wie lange dauert die Ergänzungsprüfung von HB3 zu HB9?

  4. Welche Hilfsmittel stellt das BAKOM zur Verfügung?

  5. Welcher Taschenrechner ist zulässig?

  6. Muss jede Formel auswendig gelernt werden?

  7. Was ist vor dem Einsetzen von Zahlen in eine Formel zu prüfen?

  8. Was bedeutet der Vorsatz Mikro?

  9. Was bedeutet der Vorsatz Nano?

  10. Wie verändert sich \(X_C\) bei steigender Frequenz?

  11. Wie verändert sich \(X_L\) bei steigender Frequenz?

  12. Eine Antenne resoniert zu tief. Ist sie tendenziell zu lang oder zu kurz?

  13. Was bedeutet +3 dB ungefähr für eine Leistung?

  14. Welche Unterlage sollte für exakte Amateurfunk-Bandgrenzen benutzt werden?

  15. Was ist der wichtigste Unterschied der technischen HB3-Prüfung gegenüber HB9?

Antworten

  1. Vorschriften betreffend den Amateurfunk und Grundlagen der Elektro- und Funktechnik.

  2. 95 Minuten.

  3. 75 Minuten.

  4. Formelsammlung, Hilfstabellen beziehungsweise Frequenzliste sowie Notizpapier und Bleistift.

  5. Ein netzunabhängiger, nicht programmierbarer Taschenrechner.

  6. Nein. Die BAKOM-Formelsammlung wird bereitgestellt. Die Formeln müssen jedoch erkannt und angewendet werden können.

  7. Welche Grösse gesucht ist, welche Werte gegeben sind und ob die Einheiten stimmen.

  8. \(10^{-6}\)

  9. \(10^{-9}\)

  10. Er wird kleiner.

  11. Er wird grösser.

  12. Zu lang.

  13. Ungefähr Verdoppelung der Leistung.

  14. Die aktuelle BAKOM-Hilfstabelle.

  15. Die technischen und rechnerischen Fragen sind gemäss BAKOM weniger komplex.

Abschluss

Mit Kapitel 18 ist der systematische Stoff dieses Lehrwerks abgeschlossen.

Das Ziel war nicht, einzelne Prüfungsantworten auswendig zu lernen.

Das Ziel war, ein technisches Modell aufzubauen:

Elektrizität → Schaltungen → Hochfrequenz → Sender und Empfänger → Antennen → Ausbreitung → Funkbetrieb

Wer diese Zusammenhänge verstanden hat, kann unbekannte Prüfungsfragen wesentlich besser lösen als jemand, der lediglich alte Fragenkataloge auswendig gelernt hat.

Nach bestandener Prüfung beginnt der interessanteste Teil:

messen, bauen, hören, senden, experimentieren und weiterlernen.

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